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kfd - Diözesanwallfahrt nach Schwelm am 30. Juni 2018

Maria Rahmen

Die Diözesanwallfahrt führt uns in diesem Jahr am 30. Juni zur Kirche St. Marien nach Schwelm an den Rand des bergischen Landes. Sie steht unter dem Thema „Maria tritt aus dem Rahmen“. Dazu greifen wir eine Darstellung der Künstlerin Mariana Lepadus auf, die dazu einlädt, Maria von all den Bildern zu befreien, die den Blick auf das Mädchen Miriam, auf die junge Frau aus Nazareth verstellen, die die Mutter Jesu wurde.

 

Mit dem Ort Schwelm hat der Diözesanvorstand ein Ziel ausgewählt, das im Bistum Essen liegt. Und darüber hinaus ein Ziel, dass sich durch einen modernen, fast runden Kirchenbau auszeichnet. Die Rundungen der Kirchenmauern werden durch die Altarinsel und die Bankreihen aufgenommen. So versammeln sich Menschen um den Altar. Ein herausragendes Kunstwerk in dieser Propsteikirche ist die „Schwelmer Madonna“, eine romanische Madonna, die um 1340 im Kölner Raum geschaffen wurde und seit 1846 in Schwelm ist. Darüber hinaus gibt es noch eine künstlerisch gestaltete Fensterfront. Der Künstler Egon Stratmann aus Hattingen hat sie 1992 geschaffen. Sie enthält sieben Mariendarstellungen aus der näheren und weiteren Umgebung, zum Beispiel die „Trösterin der Betrübten“ aus Kevelaer, die „Mutter vom guten Rat“ – die goldene Madonna aus Essen und einige andere, Darstellungen, die vielen kfd-Frauen von Wallfahrten aus den vergangenen Jahren gut bekannt sind. Bilder, die auf die vielfältigen Motive der Marienverehrung verweisen.

Die Wallfahrt beginnt – schon fast traditionell – mit einer Statio in der Klosterkirche in Wuppertal – Beyenburg, etwa 8 km von Schwelm entfernt. Diese spätgotische Kirche mit einer barocken Ausstattung wurde hoch über der Wupperschleife und dem Wupperstausee errichtet. Sie ist Maria Magdalena geweiht. Das ist – wie ich finde – eine schöne Fügung. Denn bei der Wallfahrt im Jahr 2017 haben wir die Spuren der Apostelin Maria Magdalena aufgenommen. Und da können wir gut mit der Wallfahrt in diesem Jahr anschließen: Maria aus Magdala und Maria aus Nazareth, zwei Frauen, die das Wort Gottes in die Welt tragen, jede auf ihre Weise.

In Beyenburg steht im Garten vor der Kirche eine Statue der Maria Magdalena mit einem Salbgefäß. Diese Darstellung lädt dazu ein, alle Frauen nach der Statio mit einer Salbung für den weiteren Weg, für den weiteren Verlauf der Wallfahrt zu stärken. 

Von Beyenburg aus startet eine Gruppe von Fußpilgerinnen nach Schwelm. Alle anderen Frauen fahren mit den Bussen oder per PKW dorthin. Dort werden sie im Prälatengarten an der St. Marien – Kirche von Frauen der örtlichen kfd – Gemeinschaft begrüßt und willkommen geheißen. Ab 12 Uhr besteht für alle Frauen die Gelegenheit, an Geistlichen Angeboten teilzunehmen und

  • dem Marienbild in traditionellen wie in modernen Kirchenliedern nachzuspüren,
  • im Gespräch mit Maria ihren Mut zu erkennen,
  • bei einer spirituellen Kirchenführung sieben Wege mit Maria zu entdecken,
  • durch Lieder und einfache Tänze beflügelt zu werden.

Nach diesen Angeboten schließt sich die Mittagspause an. Die Altstadt von Schwelm lädt mit vielen Lokalitäten zur entspannten Einkehr und Stärkung ein.

Um 15 Uhr feiern wir in der St. Marien – Kirche Eucharistie mit Prälat Dr. Dörnemann. Frau Hildegard Stockhofe, vielen Frauen als Tanzpädagogin bekannt, setzt in diesem Gottesdienst das Thema „Maria tritt aus dem Rahmen“ tänzerisch um. Und der Projektchor der Propsteigemeinde St. Marien unterstützt den Gesang der Wallfahrerinnen.  

Inhaltlich steht das Thema „Maria tritt aus dem Rahmen“ im Mittelpunkt: Maria ist als junge Frau vor einem goldenen Rahmen dargestellt. Sie scheint ihn gerade verlassen zu haben. Diese Darstellung lädt die Betrachterinnen dazu ein, über die eigenen Marienbilder nachzudenken. Diese sind  möglicherweise geprägt von den vielfältigen Bildern, in denen uns Maria im kirchlichen Kontext immer wieder begegnet: Maria als junge hübsche Frau, schwanger oder schon mit Kind; auch ohne Kind, aber mit Krone, vielleicht auf einer Mondsichel stehend oder aber als leidende ältere Frau, das Gesicht von Schmerzen gezeichnet oder auch als Himmelskönigin. Um nur einige Beispiele zu nennen. Bei dieser Vielfalt von Bildern könnte man leicht vergessen, dass es nur EINE Gottesmutter Maria gegeben hat und nicht hunderte. Und das diese EINE ein jüdisches Mädchen gewesen ist, das später als ganz normale einfache Frau in einem Dorf in Palästina gelebt hat. Die vielfältigen Bilder versperren den Blick auf DIE Maria aus Nazareth. Und sie verhindern, in Maria die Frau zu erkennen, die sie vielleicht eher war, die gegen Unrecht und Unterdrückung aufgestanden ist. Sie war eine mutige prophetische junge Frau, die selbstbewusst das Magnifikat gesungen hat. Diese Frau wollen wir entdecken.

In dem Bild von Mariana Lepadus tritt sie heraus aus den Rahmen, die ihr über viele Jahrhunderte zugeschrieben wurden. So will die Künstlerin eine Maria darstellen, die sich von allen Begrenzungen befreit, von all den Begrenzungen, die sie einengen, die sie festlegen. Sie tritt mutig heraus aus den Bildern, die viele Jahrhunderte ihr Bild in der Kirche und darüber hinaus prägten. Und wir können eine Maria entdecken, die Gott dafür lobt, dass er sich den Unterdrückten zuwendet, dass er die Kleinen groß macht. Damit kann Maria uns auch heute Mut machen und uns zum Aufbruch bewegen. Mit ihrem Lobgesang, ja, mit ihrem Protestgesang lädt sie uns ein, dass auch wir uns stark machen für eine Welt in Frieden und Gerechtigkeit.

Hildegard Stockhofe zeigt mit ihrem Tanz, welche unterschiedliche Wirkung ein Rahmen haben kann. Ein Rahmen begrenzt, gibt eine Struktur vor. In so einem Rahmen können wir uns sicher fühlen. Ein Rahmen grenzt aber auch ein, verhindert einen weiten Blickwinkel. Er legt fest und bietet so kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Aus dem Rahmen herauszutreten kann befreien, Weite schenken und   neue Perspektiven ermöglichen. Wenn wir auf die Maria schauen, die aus dem Rahmen tritt, können wir vielleicht unser eigenes Marienbild verändern: Wir dürfen, ja müssen sie geradezu neu kennen lernen als eine Frau, die sich für Unterdrückte und gegen Unrecht einsetzt.

Das Thema „Maria tritt aus dem Rahmen“ lädt aber auch dazu ein, auf das eigene Leben zu schauen und die Rahmen in den Blick zu nehmen, die uns festlegen. So kann das Thema, die Darstellung von Mariana Lepadus dazu anregen, über die Begrenzungen in meinem Leben nachzudenken, das Thema kann vielleicht helfen, die Rahmen zu entdecken, die mich in meinem Leben einengen, die mich immer wieder auf vertraute Handlungsmuster festlegen und mir so ganz oft die Freiheit nehmen, mich offen und vertrauensvoll neu den Weg zu machen.

„Maria tritt aus dem Rahmen!“ – Das kann auch ein Impuls für mich sein, meinem Leben eine neue Richtung zu geben!

Ulrike Fendrich, Geistliche Leiterin des Diözesanverbandes

Bilder der Wallfahrt finden Sie hier

 

Bildquelle: Lepadus. „Maria steht auf“, © Frauenkonvent Schlesische Oberlausitz

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